Gregory Crewdson July 31, 2006
Posted by theoxymoron in Photography.add a comment

Vergangenes Wochenende sind wir ins Fotomuseum Winterthur gefahren um die Werke des amerikanischen Fotografen Gregory Crewdson “live” zu sehen. Ein paar Tage zuvor bin ich durch einen kleinen Beitrag in der Kulturzeit auf diesen Namen aufmerksam geworden und als ich ein paar seiner Bilder im Internet gesehen habe, wusste ich, dass ich diese im Original sehen musste.
Sein Schaffen teilt sich mittlerweile in mehrere Blöcke wie seine Frühwerke (Early Work), Natural Wonder, Hover (96-97), Twilight, Dream House und seinem neuesten Werkblock Beneath the Roses (2003-2005) ein. Wir konnten klar eine Entwicklung - wahrscheinlich auch bedingt durch die Weiterentwicklung der Fototechnik - in Richtung Grossformate und Detailschärfe feststellen. Vor allem die letzten seiner Bilder (wenn man es Bilder nennen darf, da es ja eigentlich Fotografien sind) sind gute 2 Meter Breit und von bestechender Schärfe und Qualität.
Inhaltlich verarbeitet Crewdson vor allem komplexe, psychoanalytische Situationen, die oft an Standbilder von Träumen erinnern. Beim Betrachten der Bilder fängt jeder bewusst oder unbewusst an, das Bild zu interpretieren und zu analysieren. Dies konnten wir auch schon anhand der Gespräche der Leute in der Ausstellung beobachten. (Jeder hatte das Gefühl genau zu wissen, was der Künstler uns mit diesem Bild suggerieren will)
Ich finde vorallem seine letzte Serie Beneath the Roses beeindruckend, bei der die Vorbereitungen auf einen Shot meist mehrere Tage und hunderte Leute in Anspruch nimmt. Die Bilder sind bis ins letzte Detail geplant und inszeniert. “Damit erreicht er eine für diese Aufnahmen typische Klarheit, Tiefe und hyperreale Schärfe aller Details. Die Bilder werden durch die omnipräsente Schärfe fast surreal.” (Fotomuseum)
Durch eine kleine Dokumentation die in den Ausstellungsräumen lief, konnte man auch Einblicke hinter die Kulissen der Herstellung seiner Fotografien bekommen. Ein perfektes Bild setzt sich meistens aus vielen Einzelelementen zusammen. Zum Beispiel kommt es durchaus vor, dass Teile aus unterschiedlichen Fotos zusammengefügt werden müssen, damit die besten Bereiche (zum Beispiel aus einem Foto den Gesichtsausdruck der Personen und aus einem Zweiten die Flammen des brennenden Hauses) in einem Bild vereint sein können. Untenstehendes Bild wurde aus mehreren solchen Teilen zusammengebaut, nachdem es tagelang vorbereitet und penbel geplant werden musste. In dieser Grösse kommt es natürlich nicht wirklich zur Geltung weil die zahlreichen Details und die Schärfe erst durch das Grossformat ihre Wirkung entfalten.

Die Ausstellung war auf jeden Fall beeindruckend und ich bin froh die Bilder im Original gesehen zu haben. Leider hab ich die Eröffnung verpasst, denn dort hätte man die Möglichkeit gehabt, auch persönlich mit Gregory Crewdson über seine Werke zu plaudern. Mich hätten vorallem die technischen Details zu seinen Fotografien interessiert. Vielleicht ergibt sich ja wiedereinmal die Gelegenheit.
